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Aktuelles

Autor: Gemeinde Denkendorf
Artikel vom 06.11.2019

Vier Jahre Denkendorfer Betreuungskreis Flüchtlinge – Rückblick und Ausblick

Im November 2015 hat der Denkendorfer Betreuungskreis Flüchtlinge (DBF) seine Arbeit aufgenommen. Seither leisten die ehrenamtlichen Helfer herausragende Arbeit in zahllosen Stunden für die Flüchtlingshilfe. Deutlich wurde am Plenumsabend am 30. Oktober herausgestellt, dass das ehrenamtliche Engagement nicht endet, sich aber verändert. Bürgermeister Ralf Barth bedankte sich bei allen Helfern für den zeitintensiven Einsatz. Es sollte ein „Zwischendank“ sein, denn der Verwaltungschef stellte deutlich heraus, dass das Ehrenamt weiterhin benötigt wird.

Im Verlauf des weiteren Abends berichtete Dankward Siebold über seine Gambia-Reise. Darüber hinaus wurde unter der Moderation von Dr. Reiner Strunk aufgezeigt, wie die Arbeit der einzelnen Gruppen sich verändert.

Frank Deuschle vom Betreuungskreis und Bürgermeister Ralf Barth begrüßten alle Ehrenamtlichen, die dieses Mal in den Generationentreff zum 5. Plenumsabend des Denkendorfer Betreuungskreis Flüchtlinge gekommen waren. Frank Deuschle freute sich dabei insbesondere darüber, dass so viele Menschen anwesend waren und damit zeigten, dass sie immer noch bereit sind, Geflüchtete, die nach Denkendorf gekommen sind, zu unterstützen. „Die Arbeit hat sich im letzten Jahr irgendwie verändert“, resümierte er dabei und leitete damit das Motto des Abends: „Rückblick und Ausblick“ ein.

Bürgermeister Barth griff das Thema auf: „Vier Jahre sind vergangen seit Angela Merkel sagte: „Wir schaffen das!“. Er wies dabei insbesondere darauf hin, dass mit „wir“ in erster Linie die Stadt- und Landkreise sowie die Kommunen und dort vor allem die Ehrenamtlichen angesprochen waren – Menschen, die spontan dazu bereit waren, sich mit ihrer Kraft einzubringen – bundesweit und in Denkendorf. „Bürgerschaftliches Engagement ist etwas, was der Staat braucht, was er aber selber nicht herstellen kann“, so Barth. Dies zeigte er einmal an Zahlen auf, in dem er erläuterte, dass in den letzten vier Jahren 10.000 Geflüchtete in den Landkreis Esslingen gekommen sind – fast so viele Menschen wie in Denkendorf leben. Bisher haben die Ehrenamtlichen die Aufgabe übernommen, den Geflüchteten das Gefühl zu vermitteln, willkommen zu sein. Inzwischen hat sich der Fokus geändert. Er liegt nun auf dem „Ankommen“, was für ihn bedeutet, die Menschen nicht nur zu begrüßen, sondern konkrete Einzelfallhilfe zur Integration und damit zu einem selbstständigen Leben in Denkendorf zu geben. Dies hat in Denkendorf durch die Arbeit in den Gruppen bisher hervorragend funktioniert. Für all diese geleistete Arbeit sprach er seinen „Zwischendank“ aus – denn Integration braucht einen langen Atem. Auch wenn inzwischen in der Flüchtlingsarbeit „alles im Fluss“ ist, werden auch zukünftig die Ehrenamtlichen benötigt. So ist es jetzt nicht mehr die Menge der Geflüchteten Personen,  die bewältigt werden muss, dafür werden die Integrationsaufgaben aber komplexer. Das Landratsamt hat bereits die angemietete Unterkunft im 1. und 2. OG der Robert-Bosch-Straße gekündigt. Auch die unbegleiteten Minderjährigen werden zukünftig nicht mehr in Denkendorf sein. Im kommenden Jahr wird die Gemeinde voraussichtlich nur noch 11 Personen aufnehmen müssen – dennoch aber eine Herausforderung, da die Flüchtlingszimmer noch aus den Vorjahren belegt sind, obwohl bereits 56 Personen in Privatwohnraum vermittelt wurden. Deshalb wird die Gemeinde auf alle Fälle an dem Mietvertrag für die Flüchtlingsunterkunft im Erdgeschoss der Robert-Bosch-Straße 41 festhalten, hofft aber darauf, dass weitere Menschen bereit sind, Wohnungen an Geflüchtete zu vermieten. Bürgermeister Barth richtet daher seine Bitte an alle Anwesenden: „Geben Sie uns Bescheid, wenn Sie etwas über leerstehenden Wohnraum erfahren“. Er räumte auch ein, dass sich die Gemeinde hier ebenfalls in einem Umdenkprozess befindet. „Wir müssen uns mit dem Gedanken befassen, ob es vielleicht mehr Erfolg bringt, wenn die Gemeinde als Mieter auftritt.“

In seinem Reisebericht über Gambia berichtet Dankward Siebold eindrucksvoll über seine persönlichen Eindrücke.

Das Land, das zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, hat lediglich ein Bruttoinlandsprodukt von 483 USD pro Kopf (Vergleich Deutschland im Jahr 2017: 44.461 USD pro Kopf). 20 % dieses Bruttosozialproduktes sind Rücküberweisungen von Geflüchteten. Mit diesen Fakten machte er eindrucksvoll die Misere der Flüchtlingsbewegung aus Gambia deutlich und vermittelte gleichzeitig durch anschauliches Bildmaterial das Leben vor Ort.

Am Ende seines Vortrages bedankte sich Frank Deuschle nicht nur für die gelungene Zusammenstellung des Vortrages, sondern auch für sein bisheriges Wirken in der Gruppe Wohnen im Denkendorfer Betreuungskreis Flüchtlinge, da Herr Siebold zukünftig nicht mehr Ansprechpartner der Gruppe Wohnen sein wird. Er zitierte dabei Schiller indem er sagte: „Ein Abschied von einer wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich“ und wies darauf hin, dass sich Dankward Siebold zukünftig anders einbringen möchte. „Die Arbeit war hart und zu viel“, ergänzte er und hob damit heraus, welches unglaubliche Engagement Dankward Siebold in die Vermittlung und den Bezug von Privatwohnraum von Geflüchteten steckte. Bürgermeister Barth schloss sich dem Dank an und überreichte ein Handtuch für die viele schweißtreibende Arbeit, die geleistet wurde. „Es gab durchaus Reibereien, aber dadurch ist Wärme entstanden“, spielte Barth darauf an, wie viele Komplikationen die Arbeit mit der Wohnungsvermittlung mit sich brachte. „Denkendorf liegt über dem Bundesdurchschnitt, was die Vermittlung in Privatwohnraum betrifft“, stellte Dankward Siebold heraus und ging auch auf die positiven Seite der Arbeit ein: „Durch die Flüchtlingswelle habe ich den Eindruck gewonnen, dass der halbe Ort per Du ist.“

 

Frank Deuschle leitete in den nächsten Abschnitt des Abends mit einem Zitat von Marie Curie über: „Man merkt nie, was schon getan wurde, man sieht nur was noch getan werden muss.“  und fasste in einem kurzen Rückblick zusammen, was bisher bereits alles geleistet wurde. Dies war so viel, dass er dies nicht alles abschließend aufzählen konnte. Er erwähnte aber in kleinen „Blitzlichtern“ das mit dem Ehrenamtspreis der Esslinger Zeitung ausgezeichnete  MoCa, 17 Sprachkurse an drei verschiedenen Standorten mit 20 Sprachlehrern, das Radlager mit Schrauberkursen, den Internationalen Brunch, Brandschutzübungen in der Robert-Bosch-Straße, eine Stadtrallye in Esslingen, die Arbeit der Kleiderkammer, verschiedene Freizeitaktivitäten wie Kino 41, verschiedene Kunstprojekte, Plenumsabende, die Einrichtung des Monas (Montagsnachmittagscafé für Frauen), die Teilnahme an der Markungsputzete, Menschen in Ausbildung und vieles, was einfach so lief.

Für den folgenden Teil des Abends übernahm Dr. Reiner Strunk die Moderation und richtete sich mit der Frage „Wie sehen wir die Zukunft des DBF“ an die einzelnen Gruppen. „Die Problemlage hat sich verändert, aber nicht erledigt“, so Strunk. Erfreulich war, dass die meisten Gruppen dabei schon selbst gute Ideen für die Weiterentwicklung ihrer Arbeit entwickelt haben. So möchte die Kleiderstube das Angebot zukünftig familienorientierter ausrichten. Für benötigte Gegenstände soll ein E-Mail-Verteiler eingerichtet werden. Die Gruppe Radlager wird weiterhin aktiv sein, allerdings zukünftig in der Heydstraße und nicht mehr in der Robert-Bosch-Straße. Erfreulich ist, dass das Team des Radlagers immer noch in Erstbesetzung besteht.

Die Gruppe Sprache bietet zwar keine Sprachkurse mehr an, leistet aber individuelle Einzelfallbetreuung mit Prüfungsvorbereitung und sieht ein weiteres Betätigungsfeld bei den Frauen, die nun im Rahmen des Familiennachzugs nachkommen. Die Gruppe Begleitung möchte auch im kommenden Jahr erneut den internationalen Brunch in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Focus durchführen. Hierfür wurde bereits der 29. März 2020 vorgemerkt. Aus dem MoCa (Montagscafé) wird das MoNa (Montagsnachmittagscafé) – ein Angebot das sich nun speziell an die nachgezogenen Frauen richtet.

„Wir sind also in keiner Weise am Ende angekommen“, resümierte Strunk. Auch Bürgermeister Barth ist froh und stolz, dass sich die Ehrenamtlichen den Zeichen der Zeit anpassen. Allerdings weiß er auch, dass es schwer ist, ausscheidende Ehrenamtliche zu ersetzen. So sieht er auch die Lücke, die nun im Bereich Wohnen entsteht. Hier wünscht sich der Verwaltungschef wieder mehr Ehrenamtliche, die Flüchtlinge bei der Wohnungssuche unterstützen.

Der Abend klang mit guten Gesprächen bei einem kleinen Imbiss aus.