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Aktuelles

Autor: Julia Förster
Artikel vom 17.12.2019

Geplantes Wohngebiet „Wasserreute“

Der Gemeinderat hat im Oktober mehrheitlich bei fünf Gegenstimmen den Aufstellungsbeschluss für das geplante Wohngebiet „Wasserreute“ gefasst. Damit wurde das beschleunigte Bebauungsplanverfahren nach § 13 b Baugesetzbuch (BauGB) eingeleitet. Aktuell sammelt eine Bürgerinitiative Unterschriften zur Vorbereitung eines Bürgerbegehrens, um einen Bürgerentscheid zur Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses vom 14. Oktober 2019 zum Baugebiet „Wasserreute“ zu erreichen. Verwaltung und Gemeinderat ist es daher wichtig, dass alle Bürgerinnen und Bürger umfassend über die Beweggründe des Gemeinderats zur Aufstellung dieses Bebauungsplans informiert sind. Daher nehmen die drei Fraktionsvorsitzenden im Weiteren hierzu ausführlich Stellung.

Stellungnahme der FWV-Fraktion zur geplanten Weiterentwicklung - Wohngebiet „Wasserreute“

Die Entwicklung unserer Gemeinde ist eine Daueraufgabe. Seit vielen Jahren befassen wir uns im Gemeinderat unter Beteiligung der Öffentlichkeit mit dem sogenannten integrierten Stadtentwicklungskonzept („ISEK“). ISEK ist u.a. gedacht, um eine Gesamtschau über den ganzen Ort zu haben, um bei aktuellen Entwicklungen zielgerichtet agieren zu können.

Aufgrund der aktuellen Diskussion über fehlenden Wohnraum hat die Bundesregierung die Baugesetzgebung etwas „gelockert“ und für eine bestimmte Frist (bis Ende 2019) den § 13 b im Baugesetzbuch eingeführt. Damit sollte den Kommunen ermöglicht werden, eine moderate Außenentwicklung für Wohnbaugebiete zu betreiben, die sich unmittelbar an den Ort anschließen.

Schon bei der Einführung des § 13 b wurde auf Bundesebene intensiv und kontrovers diskutiert. Der Zielkonflikt zwischen Verbrauch von wertvollen Ackerflächen contra notwendigem Wohnraum ist allen bewusst.

Deshalb sind enge Voraussetzungen aufgestellt worden wie z.B. eine max. Wohnbaufläche von 10.000 m² und die direkte Anbindung an das bebaute Ortsgebiet.

Das ermöglicht nun den Gemeinden, auch außerhalb des Flächennutzungsplans Wohnbaugebiete in begrenztem Umfang zu erschließen.

Uns war bewusst, dass dieser Zielkonflikt (Flächenverbrauch contra notwendigen Wohnraum) auch in Denkendorf diskutiert werden muss. Deshalb hat unsere Fraktion die frühzeitige Bürgerbeteiligung gefordert, um den Sachverhalt offen und transparent darstellen zu können. Gemeinderat und Verwaltung haben diesen Vorschlag einstimmig aufgenommen, sodass neben den öffentlichen Sitzungen des Gemeinderates zusätzlich eine Bürgerinformationsveranstaltung im Rathaus durchgeführt wurde. Bei diesem Verfahren wären wir an dieser Stelle dazu nicht verpflichtet gewesen.

Wir nehmen natürlich die vorgetragenen Anliegen der Bürgerschaft sehr ernst und setzen uns mit diesen auseinander. Zum großen Teil haben wir uns schon während des gesamten Verfahrens damit auseinandergesetzt und uns viele dieser Fragen auch schon gestellt. Denn schließlich vertreten wir die Anliegen aller Bürgerinnen und Bürger.

Auf einige konkrete Fragestellungen möchten wir eingehen:

Bedarf an Wohnraum – Wir sehen diesen Bedarf!

  • Wir gehören zur starken Wirtschaftsregion Stuttgart – das führt zu Bevölkerungszuwachs in der Region, und damit zum erhöhten Druck auf den Wohnungsmarkt
  • Die Medien rechnen uns jeden Tag vor, wieviel an Wohnraum fehlt
  • Für Denkendorf ? – Ja, auch da haben wir Bedarf, so nehmen wir das jedenfalls in persönlichen Gesprächen wahr. Wir werden sehr oft nach geeigneten Immobilien bzw. Bauplätzen gefragt.

Uns ist es wichtig, dass wir diesen Bedarf insbesondere für die Eigenentwicklung sehen. Denkendorf muss nicht wachsen, um des Wachsens willens. Nein wir möchten, dass Denkendorfer in Denkendorf wohnen bleiben können. Oder, dass Menschen die in Denkendorf arbeiten hierherziehen können. Da sehen wir Menschen mit mittleren Einkommen, die eine bezahlbare Wohnung suchen. Weil „bezahlbare“ Wohnungen in unserer Region wenig verfügbar sind, nehmen viele lange Pendlerstrecken in Kauf.

Bezahlbarer Wohnraum (nicht zu verwechseln mit sozialem Wohnungsbau) kann nur durch ein geeignetes Baukonzept und ggf. mit einer finanziellen Förderung durch die Gemeinde realisiert werden.

Ein „Bewertungs- / Bonussystem“, wie die Wohnbauflächen bzw. Wohnungen vergeben werden könnten, wird in einigen Kommunen schon erfolgreich angewendet.

Dies kann aber nur auf Flächen realisiert werden, die der Gemeinde gehören. Dies ist im geplanten Baugebiet „Wasserreute“  zu einem guten Anteil gegeben.

Wie das konkret ausgestaltet wird, muss im weiteren Verfahren geklärt werden.

Umsetzung Flächennutzungsplan – nördlich Löcherwäldle

Bei der Aufstellung im Jahr 2004 wurde schon heftig diskutiert, wieviel Flächen „verbraucht“ werden können. Damals sah man den Bedarf eher für eine recht offene, einfache Bebauung mit Einfamilienhäusern. Was sich nach unserer Auffassung, wenn überhaupt, für dieses Gebiet anbietet. Geschosswohnungsbau (geringerer Flächenverbrauch bei mehr Wohneinheiten) können wir uns in diesem Gebiet heute so nicht vorstellen.

Wir sehen heute einen Bedarf für einen „Wohnungsmix“, d.h. Doppel-,Reihen-, und Mehrfamilienhäuser. Mehrfamilienhäuser sind eben notwendig für den „bezahlbaren“ Wohnraum. Diese bauliche Gestaltung passt nach unserer Auffassung besser in das Gebiet „Wasserreute“.

Gerade auch vor der Diskussion über den Flächenverbrauch, sahen wir die kleinere Fläche „Wasserreute“ (2,5 ha) geeigneter an als die größere Fläche (4,5 ha) nördlich Löcherwäldle.

Das heißt nun nicht, dass nördlich Löcherwäldle nie bebaut werden wird. Doch wenn wir jetzt die nächsten 5 Jahre Wasserreute entwickeln und besiedeln und anschließend evtl. das Bauhofareal zur Wohnbauentwicklung zur Verfügung steht, haben wir für die nächsten 10 Jahre aus unserer heutigen Sicht keinen weiteren Diskussionsbedarf.

Die verkehrliche Erschließung von nördlich Löcherwäldle sehen wir zudem kritischer an als die verkehrliche Erschließung von „Wasserreute“, denn hier ist ein Teil über die Uhlandstraße schon gut erschlossen.

Verkehrliche Erschließung

Neben dem Flächenverbrauch ist der wesentliche Kritikpunkt am Gebiet „Wasserreute“ der Verkehr – Verkehr das Thema unserer Zeit!

Viele gehen gerne freitags für die Zukunft demonstrieren. Aber wenn es an das eigene Verhalten geht, dann wird es ruhig. Wir benötigen doch unsere zwei, drei oder vier Autos. Groß und breit müssen sie sein, wegen der Sicherheit usw., Sie kennen die Diskussionen.

Mobilität muss sich ändern, es braucht einen guten ÖPNV. Konkret für Denkendorf, wir sind vom Bus abhängig und werden es auch noch einige Zeit bleiben..

Es braucht eine gute Anbindung an das Schienennetz. Darüber und über die Anbindung des Gebietes z.B. über eine Buslinie „Uhlandstraße“ müssen wir diskutieren. Man kann nur umsteigen, wenn das Angebot da ist. Aber auch bei solchen Diskussionen wird es Für und Wider geben.

Autos werden wir weiterhin haben. Deshalb sollte aus unserer Sicht die Verkehrssituation im gesamten Gebiet östlich der Uhlandstraße untersucht werden. Insbesondere auch die Parkplatzsituation, die den fließenden Verkehr behindert.

Auch dies könnte im neuen Gebiet „Wasserreute“ seine Berücksichtigung finden. Es muss aber auch gesagt werden, dass es ist nicht die Aufgabe der Gemeinde ist, für jedes Fahrzeug einen öffentlichen Parkplatz vorzuhalten. Es gibt eine Stellplatzverordnung, nur diese sollte auch eingehalten werden. Ein TG-Stellplatz ist eigentlich für ein Auto gedacht. Es ist leider wie so oft: eigentlich sind wir alle Teil des Problems, also könnten wir doch auch alle Teil der Lösung sein?

Vor diesem Hintergrund haben wir die Diskussion für die Erstellung eines Verkehrs- oder vielleicht besser Mobilitätsgutachtens angeregt, was von der Verwaltung auch aufgenommen wurde.

Dabei kann dann nochmals über die bisher, im Entwurf geplante, Erschließung  und Parkierung diskutiert werden.

Der vorliegende städtebauliche Entwurf ist ein Entwurf! Aber er ist notwendig, um zu sehen wo könnte was und wie realisiert werden. Er ist nicht in Stein gemeißelt und wird im weiteren Verlauf weiter diskutiert werden müssen.

Bisher ging es zunächst um die Gebietsabgrenzung, die dann in einen Bebauungsplan umgesetzt werden muss.

Sie sehen es gibt Pro und Contra. Auch wir in der Fraktion diskutierten das sehr intensiv und kontrovers. Mehrheitlich haben wir uns entschieden für die Entwicklung des Wohngebietes „Wasserreute“ zu stimmen.

Zwei Mitglieder der Fraktion haben sich dagegen ausgesprochen – für uns ist das Ausdruck für das Verständnis der „Freien Wähler“ und auch davon, dass die Gemeinderatsarbeit manchmal auch nicht einfach ist. Man kann nicht nur nach „schwarz oder weiß / falsch oder richtig“ entscheiden. Aber man muss auch entscheiden!

Genau deshalb gibt es ja den demokratischen Prozess in einer parlamentarischen Demokratie. Wir haben hart an der Sache diskutiert und alle Fragestellungen beleuchtet.

Es geht um die Abwägung, was sehen wir heute für das Allgemeinwohl und für die Entwicklung von Denkendorf für „richtiger“ an.

Mehrheitlich sind wir der Auffassung es ist „richtig“, das Gebiet „Wasserreute“ zu entwickeln! Die Argumente der Gegenseite respektieren wir und binden sie ins weitere Verfahren gerne mit ein. Gerade deshalb werben wir sehr für einen offen, sachlichen und fairen Umgang, denn nur der bringt uns alle weiter.

Denkendorf, 15.12 2019

Für die FWV Fraktion

Frank Obergöker

 

 

 

Stellungnahme der CDU-Fraktion zum geplanten Neubaugebiet „Wasserreute“                                                               

Dezember 2019         

Wohnen ist ein fundamentales Grundbedürfnis für jeden Menschen und Voraussetzung für alle weiteren Aktivitäten, wie Arbeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Zusammenleben. Dies ist eine Kernaufgabe der Daseinsvorsorge und darum für den Sozialstaat und somit für jede Kommune Verpflichtung dies zu gewährleisten.

Für fast zwei Drittel sind immer höhere Miet- oder Kaufpreise für Wohnraum inzwischen eine Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Man ging zu lange davon aus, dass die Bevölkerungszahl zurückgeht. Aber das Gegenteil war der Fall. Höhere Zuwanderung/Flüchtlingszahlen, demographische Entwicklung und eine grundsätzlich erfreulich ansteigende Geburtenrate lässt Deutschland wachsen. Hinzu kommt ein größerer Wohnraumbedarf pro Person durch mehr Singlehaushalte.

Ein aktuelles Gutachten stellte fest, dass Denkendorf zu den 68 Gemeinden gehört, in denen es einen angespannten Wohnungsmarkt gibt. Wir brauchen keine Bedarfsanalyse, dies wird in keiner Kommune durchgeführt, der Bedarf liegt auf der Hand.

Wir haben in Denkendorf stets der Innenentwicklung Vorrang gegeben und waren in den letzten Jahrzehnten sehr maßvoll im Umgang mit der Erschließung neuer Flächen. Aber es gilt auch im Innenbereich Grünzüge zu erhalten. Und unsere Handhabe, Leerstände oder bebaubare Innenflächen dem Wohnangebot zuzuführen sind äußerst begrenzt. Für eine behutsame und bescheidene Eigenentwicklung ist deshalb aus unserer Sicht die Weiterentwicklung im Bereich Lange Äcker/“Wasserreute“, bedeutend.

Hierbei ist für uns klar, dass dies einher geht mit einer klaren Bauverpflichtung und hier auch eine Wohnbauförderung zu bezahlbarem Wohnraum angeboten werden soll. Wir wollen, dass unsere Kinder und Enkel auch hier in Denkendorf adäquaten Wohnraum finden.

Wie unser Antrag bzw. die Stellungnahme der Verwaltung im Gemeinderat vom 16. September 2019 zeigte, gibt es in Denkendorf nur noch wenige Möglichkeiten einer Bebauung. Wir sind von Schutzgebieten umgeben, die eine Bebauung nicht zulassen. Für den vorhandenen Bauhof gibt es in absehbarer Zeit kein Ersatzgrundstück. Weitere mögliche Flächenumnutzungen  im Innerortsbereich sind bisher nur aus Absichtserklärungen in Aussicht. Wir brauchen den Wohnungsbau jetzt.

Da dies bundesweit so gesehen wird, wurde vom Bund das „beschleunigte Verfahren“ eingeführt, welches Ende des Jahres ausläuft.

Wie immer in solchen Fällen gibt es natürlich „direkt Betroffene“, die sich in der Zeit, als sie selbst Wohnraum suchten freuten, ein Haus, Baugrundstück oder eine Wohnung gefunden zu haben.

Dies nun anderen in der äußerst schwierigen Lage auf dem Wohnungsmarkt verwehren zu wollen ist unseres Erachtens nicht sozial.

Natürlich war von Anfang an ein Verkehrskonzept geplant, dies wurde auch umfassend kommuniziert.  Dazu ist aber zunächst erforderlich, dass man weiß, wieviel Wohneinheiten und damit auch Bewohner angesiedelt werden sollen. Ansonsten macht der Auftrag an einen Planer keinen Sinn. Hätten wir dies getan und das Bürgerbegehren wäre erfolgreich, hätten wir einen bedeutenden fünfstelligen Betrag zum Fenster hinaus geworfen. Im Übrigen sind für die Parksituation meist die direkten Anwohner selbst verantwortlich. Es ist öfter festzustellen in den einsehbaren Tiefgaragenplätzen, dass dort andere Dinge gelagert werden und deshalb der eigene PKW auf der Straße steht.

Eine mehrstöckige Bebauung ist aus ökologischer Sicht zu bevorzugen. Ein mehrstöckiges Haus bietet bei gleicher Flächenversiegelung nachvollziehbar mehr Menschen Unterkunft und ist kostengünstiger.

Der Vorwurf in der Presse, man hätte die Betroffenen nicht rechtzeitig informiert und angehört, ist für uns unverständlich. Das Thema wurde in den öffentlichen Sitzungen im September und Oktober im Gemeinderat behandelt. Am 18. September wurde zu einer öffentlichen Bürgerversammlung eingeladen  und in der Oktobersitzung erhielten die Bürger, entgegen den Regularien, nochmals Gelegenheit sich zu äußern.

Das Bürgerbegehren ist gutes Recht, dies bestreitet niemand. Wir halten es trotzdem für falsch, weil es wertvolle Zeit nimmt, einiges an Kosten verursacht und den Wohnungssuchenden nicht hilft.

Für Erstaunen hat bei uns gesorgt, dass einer der Hauptakteure des Bürgerbegehrens von Existenzbedrohung spricht, wenn die gepachteten Felder nicht mehr zur Verfügung stehen, dies aber von einem der anderen Betroffenen nicht so gesehen wird.

Für die CDU-Fraktion

Peter Nester

 

Persönliche Stellungnahme von Wilhelm Brandner, Vorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion im Rahmen der Gemeinderatssitzung vom 14.10.2019

Als wir im Januar 2015 im Rahmen des Zwischenberichts für unser Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept den Bedarf für Wohnbauflächen für den Zeitraum von 2015 bis 2030 ermittelt haben, hat uns das Statistische Landesamt einen Einwohnerzuwachs bis 2030 um insgesamt 330 Einwohner vorausgesagt. Alle 5 Jahre ein Zuwachs um 110 Einwohner. Soweit die Prognose und darauf stützend haben wir den Flächenbedarf festgelegt. Bis zum 31.12.2018, also innerhalb von 4 Jahren, hat die Bevölkerung in Denkendorf nicht um 110 sondern um 870 Personen zugenommen. Diese bemerkenswert große Differenz zwischen Prognose und aktueller Realität zeigt, welch immensen Druck und welch immense Dynamik das Thema Wohnraumschaffung speziell in der Filderregion und auch hier in Denkendorf in den letzten Jahren angenommen hat. Und dieser Druck wird nach allem, was ich in den Medien sehe und höre, auch in den nächsten 5 bis 6 Jahren nicht weniger werden. Selbstverständlich müssen wir in Denkendorf auch weiterhin vorrangig die Bedarfe aus unserer Eigenentwicklung abdecken und Möglichkeiten schaffen, mit denen Denkendorfer Wohnungssuchende bei der Vergabe von Wohnraum bevorzugt behandelt werden können. Wir sind in Denkendorf in der glücklichen Lage, dass hier laut unserer aktuellen Alterspyramide ungefähr 2.600 Menschen im Alter zwischen 20 und 37 Jahren leben. Die Geburtenrate in Baden-Württemberg ist laut dem Statistischen Landesamt mit 1,58 Kinder je Frau im gebärfähigen Alter, so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr und auch bei uns in Denkendorf sind die Geburtenzahlen allein in dem kurzen Zeitraum zwischen 2016 mit 87 geborenen Kindern und 2018 mit 118 geborenen Kindern um 22% gestiegen und auch in meinem persönlichen Umfeld erlebe ich, dass viele der 25-35 Jährigen eine Familie mit durchaus auch mehr als nur einem Kind haben oder gründen wollen und mit dieser Familie auch weiterhin gerne in Denkendorf leben wollen - oder wieder nach Denkendorf zurückziehen wollen, da sie Denkendorf bereits verlassen mussten, weil sie keinen geeigneten Wohnraum gefunden haben. Natürlich sind auch die Sterbefälle angestiegen. In 2018 gab es 113. Doch zeigt die aktuelle Alterspyramide für Denkendorf erfreulicherweise wesentlich größere seitliche Ausschläge bei den Altersgruppen zwischen 25 und 37 Jahren, als bei den Altersgruppen ab 60 Jahren und älter, bei denen sich die Pyramide immer mehr sehr verjüngt und zuspitzt, woraus ich schließe, dass wir in den kommenden Jahren eine immer größer werdende Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen zugunsten der Geburten haben werden. Aus diesen Zahlen leite ich für mich persönlich ab, dass auch in der Eigenentwicklung Denkendorfs in den nächsten Jahren eine weitere Dynamik zu verzeichnen sein wird.

Darüber hinaus hat die Gemeinde für mich aber auch eine gesellschaftliche Verantwortung - nämlich einen für sie noch vertretbaren Beitrag zu leisten, zur Bewältigung der allgemeinen Wohnraumnot in der Region. Die Esslinger Baugenossenschaft hatte z.B. im Jahre 2018 für 175 Wohnungen 39.000 Bewerbungen. Insofern stellt sich mir nicht die Frage ob denn überhaupt Bedarf vorhanden ist, denn ja, er ist real vorhanden, sondern es stellt sich mir die Frage, wie viel Flächenpotential zur Wohnraumschaffung hat die Gemeinde Denkendorf denn noch selber, unabhängig von privaten Flächen, denn die Verantwortung für die Wohnraumvorsorge hat die Gemeinde und nicht die Privaten.

Die Flächen, die die Gemeinde aktuell im Flächennutzungsplan, in der aktuellen Aufsiedelung oder kürzlich mit einem Bebauungsplan versehen hat, reichen aus meiner Sicht nicht aus, um den Menschen, die in den nächsten 5-6 Jahren in Denkendorf eine Heimstatt suchen, ein entsprechendes Angebot machen zu können.

Nördlich Löcherwäldle, als reiner Standort für Einzel, Doppel- und Reihenhäuser bietet mit ca. 130 Wohneinheiten (WE) und einer durchschnittlichen Belegung pro WE mit 2,2 Personen, ein Potential für rund 300 Menschen. Das Bauhof-Areal, als reiner Standort für verdichteten Geschosswohnungsbau bietet mit 45 WE ein Potential für rund 100 Menschen. Von den 260 WE im ehemaligen Rommel Areal Südlich Rechbergstraße stehen noch 35 WE zur Verfügung, die ein Potential für rund 80 Personen darstellen und der letztes Jahr beschlossene Bebauungsplan Esslinger Straße, bei dem ich allerdings aktuell nicht weiß, wie da der Stand ist, sieht zumindest 21 WE vor und bietet somit ein Potential für ca. 50 Personen. Zusammen bilden sie also ein Potential für ca. 530 Menschen. Private Flächen wie Baulücken oder andere private, bislang gewerblich genutzte Flächen, kann eine Gemeinde in ihre Festlegungen zur Wohnraumvorsorge aus meiner Sicht nicht mit einbeziehen, da sie hierauf nur sehr begrenzten bis gar keinen Einfluss hat.

Aufgrund der von mir angenommenen zukünftigen Dynamik in der Eigenentwicklung sowie des von mir angenommenen weiter anhaltenden hohen Drucks auf dem Wohnungsmarkt, besonders für günstigen Wohnraum, aber auch für Wohnraum auf dem regulären Markt, halte ich eine für unsere Gemeinde abschließende, kommunale Wohnraumvorsorge für nicht übertrieben, die sich an der Entwicklung der letzten 4-5 Jahre orientiert - also für rund 800 bis 900 Personen.

Mit unserem zur Verfügung stehenden Einwohner-Potential für 530 Menschen, haben wir also aus meiner Sicht eine Versorgungslücke für rund 350 Menschen in den kommenden Jahren.

Für die Schließung dieser Lücke brauchen wir den Bebauungsplan Wasserreute.

Der Bebauungsplan Wasserreute beinhaltet eine zu bevorzugende gute Kombination aus Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern und Geschosswohnungsbau mit insgesamt 160 WE, die ein Potential für rund 350 Personen bieten und darüber hinaus auch Maßnahmen zur Verminderung der Auswirkungen von Starkregenereignissen. Erst mit Wasserreute also, wären aus meiner Sicht, die notwendigen Voraussetzungen für die kommunale kurz bis mittelfristige Wohnraumvorsorge geschaffen.

Warum ausgerechnet Wasserreute? Wasserreute deshalb, weil wir im Flächennutzungsplan 2005 bis 2020 die Wasserreute zwar aufgrund der 2005 vorherrschenden Situation bezüglich Wohnraumbedarf in und um Denkendorf herum nicht als Entwicklungsfläche im FNP dargestellt haben, sie aber im Textteil durchaus als langfristig zu erhaltende Entwicklungsoption definiert haben, die in einem neuen Entwicklungskonzept dargestellt werden soll. Seitdem sind 15 Jahre vergangen und die Situation bezüglich Wohnraumbedarf hat sich gegenüber 2005 deutlich verschärft. Deshalb sehe ich es als gerechtfertigt an, nun, nach vielen Jahren der konsequenten Innenentwicklung, mit der wir nun aber an unsere Grenzen stoßen, die Option Wasserreute als für mich dann aber abschließende Ortsrandbebauung heranzuziehen.

Wieso Wasserreute jetzt? Auf den Weg bringen müssen wir den Bebauungsplan jetzt, da viele Menschen bereits heute geförderten und auch nicht geförderten Wohnraum suchen – auch hier in Denkendorf. Deshalb müssen wir die Voraussetzungen für die Schließung dieser Lücke zeitnah schaffen - nämlich heute, weil wir bei einem Verstreichenlassen des §13b-Zeitfensters, für einen sehr langen Zeitraum diese aus meiner Sicht eher kurz bis mittelfristig notwendige abschließende Wohnbaufläche Wasserreute nicht darstellen können. Ein Verstreichenlassen des Zeitfensters wäre in meinen Augen grob fahrlässig, bezüglich unserer Pflicht zur Erfüllung der Daseinsvorsorge für die eigene Gemeinde sowie unserer Pflicht, einen Beitrag zur Lösung der allgemeinen Wohnungsnot zu leisten.

Die uns zur Kenntnis gebrachten Bedenken, Anregungen und Kritikpunkte aus der Einwohnerschaft müssen selbstverständlich im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens geprüft werden und es muss nach Lösungen für die genannten Problempunkte gesucht werden - ganz besonders natürlich, was das Thema Verkehr und Parken angeht. Auf der östlichen, gemeindeeigenen Fläche ist im Bebauungsplanentwurf ja auch bereits eine Fläche abgebildet, die für Stellplätze, eine Tiefgarage oder ein Parkhaus genutzt werden kann und wir haben auch noch die Starkregen-Retentionsflächen zwischen dem östlichen und dem westlichen Teil, für die eine Nutzung als Parkraum geprüft werden kann. Bei einer vorgezogenen Bebauung Nördlich Löcherwäldle würde übrigens auch mehr Verkehr auf die Lange Äcker Straße zukommen, nur hätten wir dann keine Möglichkeit hier vor Ort zusätzlichen Parkraum zu schaffen. In dem vorgesehenen Verkehrskonzept sollen übrigens genau für solche Problemstellungen – auch über die Wasserreute und Lange Äcker Straße hinaus – nach Lösungen gesucht werden.  

Dass wir für dieses Vorhaben 2,5 Hektar wertvolle Ackerfläche opfern müssen und damit auch der Landwirtschaft als Bewirtschaftungsfläche entziehen, tut mir persönlich auch leid, doch halte ich den Flächenverbrauch angesichts der hohen Zahl an verbleibender Landwirtschaftsfläche von über 500 Hektar in Denkendorf als noch vertretbar. Überdies sollten wir uns überlegen, ob es nicht Möglichkeiten gibt, z.B. im Rahmen unserer örtlichen Wirtschaftsförderung, landwirtschaftliche Betriebe, die solche entfallenden Ackerflächen bislang als Pächter bewirtschaftet haben, in irgendeiner Weise zu unterstützen, diesen Verlust abzufedern. Denn die Landwirtschaft ist seit jeher ein ortstypischer Bestandteil von Denkendorf und unser wertvoller, örtlicher Direktversorger für Lebensmittel. Dementsprechend sollten wir sie auch wertschätzen und ihren Erhalt unterstützen.

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass wir bei einer Ausweisung eines neuen Baugebietes alle uns zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen sollten, um das Thema Klimaschutz und Co2-Neutralität dort soweit wie möglich einfließen zu lassen.

Auf der Grundlage meiner Ausführungen stimme ich hiermit dem Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans „Wasserreute“ im beschleunigten Verfahren zu. Vielen Dank.