Predigthandbuch von Johannes Reuchlin erstmals in deutscher Sprache

icon.crdate05.02.2026
Bedeutendes historisches Werk für die Ortsbücherei Denkendorf
Ein wertvolles Zeitzeugnis für Denkendorf! Am 15. Januar 2026 überreichte der ehrenamtliche Historiker und Heimatforscher Reinhard Mauz der Gemeinde ein besonderes historisches Werk. Es handelt sich um die erste deutsche Übersetzung des lateinischen Predigthandbuchs („Liber congestorum de arte praedicandi“) von Johannes Reuchlin, welches dieser im Jahr 1502 im Kloster Denkendorf verfasst hatte. Der ehemalige Denkendorfer Pfarrer und Kirchenhistoriker Dr. Rolf Noormann würdigte das Werk als „Denkendorfer Kleinod“.
Der Übergabe vorausgegangen war eine längere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Werk. Bereits im Reuchlin-Jahr 2022 hatte Herr Mauz in einem Artikel der Esslinger Zeitung sowie im Jahresband 2023 des Vereins für Familienkunde auf dieses bislang schwer zugängliche Predigthandbuch hingewiesen. Trotz intensiver Bemühungen war es damals nicht gelungen, eine Übersetzung des anspruchsvollen lateinischen Textes zu finden, der aufgrund seiner Sprache, Schrift und zahlreicher Abkürzungen selbst für erfahrene Lateinkenner große Herausforderungen darstellt.
Vollständige Übersetzung durch Reuchlin-Gymnasium Pforzheim
Umso überraschender und erfreulicher war das Ergebnis späterer Kontakte, nicht zuletzt dank einer gezielten Vermittlung durch Marieke Mauser, Leiterin der Ortsbücherei Denkendorf: Eine Schülergruppe der Oberstufe des Reuchlin-Gymnasiums Pforzheim unter der Leitung von Oberstudienrat Karl Boyé wurde kürzlich von der Pforzheimer Reuchlingesellschaft mit dem „Kleinen Reuchlin-Preis“ ausgezeichnet – für die erstmalige vollständige Übersetzung des Werkes ins Deutsche.
Ein besonderes Weihnachtspräsent
Herr Mauz nahm daraufhin Kontakt mit Herrn Boyé auf und bat um die Übersendung mehrerer Exemplare für Denkendorf. Am 23. Dezember 2025 erfolgte die Übergabe der Drucke in persönlicher Begegnung – ein wunderbarer bewegender Weihnachtsmoment für den Historienforscher. Dabei wurde deutlich, dass es sich bei dem Werk um ein bedeutendes Zeugnis des südwestdeutschen Frühhumanismus handelt, dessen historische Tragweite – insbesondere im unmittelbaren Vorfeld der Reformation und in enger Verbindung mit dem Kloster Denkendorf – weit über eine rein sprachwissenschaftliche Betrachtung hinausgeht. Die Zeit unmittelbar vor der Reformation gilt in der Denkendorfer Ortsgeschichte bislang als wenig dokumentiert. Reinhard Mauz machte aber deutlich: „Denkendorf war schon früh auf Veränderung ausgerichtet.“
Bedeutendes historisches Zeitzeugnis nun öffentlich zugänglich
Mit der nun vorliegenden Übersetzung liegt erstmals ein in Denkendorf entstandenes historisches Schlüsselwerk in allgemein verständlicher Form vor. Der lateinische Text Reuchlins wurde bereits zu Lebzeiten des Autors mehrfach gedruckt (1504, 1508 und 1540) und fand europaweite Verbreitung.
Für die Gemeinde Denkendorf wurden drei Exemplare bereitgestellt, die künftig in der Ortsbücherei, im Heimatmuseum sowie im Gemeindearchiv zugänglich sind. Damit wird dieses bedeutende Zeugnis der Orts- und Geistesgeschichte dauerhaft bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.




