Projektgruppe „Demenzfreundliche Kommune Denkendorf“
In einer bewegenden Mischung aus Fachvortrag, Lesung und Musik gastierte die Psychologin und Liedermacherin Dr. Sarah Straub am 7. Mai in Denkendorf. Unter dem Titel „Lebensmut trotz(t) Demenz“ erlebten rund 70 Besuchende in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule einen Abend, der dem Thema Demenz mit leicht verständlichen Erklärungen, positiven Geschichten und berührender Musik etwas von seiner Schwere nahm, Mut machte und Gemeinschaft spüren ließ.
Eingeladen zu diesem besonderen Abend hatte die Projektgruppe „Demenzfreundliche Kommune Denkendorf“. Dass das Thema im Ort einen hohen Stellenwert genießt, zeigte bereits die Begrüßung: Schirmherr Bürgermeister Ralf Barth betonte die große Bedeutung des Themas für die Gemeinde, die sich ganz bewusst dem Motto „Wir leben Zusammenhalt“ verschrieben hat. Maria Sommer von der Koordinierungsstelle Älterwerden reihte die Veranstaltung in das mehr als 15-jährige Engagement der Projektgruppe „Demenzfreundliche Kommune“ ein und dankte der Bürgerstiftung Denkendorf sowie dem Verein Füreinander in Denkendorf für die finanzielle Förderung.
Ein Abend zwischen Aufklärung und Gänsehaut
Dr. Sarah Straub, die am Universitätsklinikum Ulm eine Demenz-Sprechstunde leitet, verstand es meisterhaft, die Anwesenden auf eine emotionale Reise mitzunehmen. Sie las Passagen aus ihrem Buch vor und berichtete von Begegnungen aus ihrem Praxisalltag. Besonders authentisch und berührend waren ihre humorvoll vorgetragenen Geschichten, die sie als pflegende Enkelin und Schwiegertochter erlebt hat. Eine ihrer zentralen Botschaften: „Menschen sind unterschiedlich - auch in der Demenz“. Wenn es gelingt, den Betroffenen die Verwirklichung ihrer individuellen Bedürfnisse und Interessen zu ermöglichen, kann Lebensmut wieder wachsen und können Beziehungen harmonisch bleiben.
Zwischen den Geschichten kamen die fachlichen Erläuterungen nicht zu kurz - leicht verständlich informierte Sarah Straub über die unterschiedlichen Demenzformen und Einflussmöglichkeiten auf das Entstehen und den Verlauf der Erkrankung. Sie plädierte für eine frühzeitige gründliche Diagnosestellung, um den kleinen Teil behandelbarer Demenzformen auszuschließen und den Betroffenen zu ermöglichen, sich auf die Situation einzustellen. Auch widmete sie sich intensiv der Situation der pflegenden Angehörigen, denen sie ans Herz legte, die Pflege nicht alleine zu übernehmen. Ein Unterstützungsnetzwerk und der Austausch mit Gleichbetroffenen seien wichtig, um selbst gesund zu bleiben: „Lebensmut trotz(t) Demenz geht für Angehörige nur, wenn es immer wieder gelingt, die kleinen Dinge zu sehen, die schön sind“.
Sarah Straub selbst blickt in ihrer Arbeit mit Menschen mit Demenz auf eine Vielzahl positiver Eigenschaften, die mit der Erkrankung häufig erst gelebt werden: sie erlebt Menschen mit Demenz als dankbar, authentisch, ehrlich, herzensgut und liebevoll. „Das Herz wird nicht dement“.
Für Gänsehautmomente und den nötigen Raum, das Gehörte zu verarbeiten, sorgte Sarah Straub, indem sie sich zwischen den Textbeiträgen immer wieder ans Klavier setzte und mit ihren selbstgeschriebenen Liedern berührte und ermutigte.
Praktische Hilfe vor Ort
Nach dem offiziellen Dank nutzte die Koordinierungsstelle Älterwerden die Gelegenheit für einen wichtigen Appell: Sie lud an den Büchertisch und Broschürentisch ein und legte den Anwesenden ans Herz, das breite Beratungs- und Unterstützungsangebot in Denkendorf aktiv zu nutzen.
Am Ende des Abends blieb die Erkenntnis, dass Demenz zwar das Leben verändert, aber nicht das Ende der Lebensfreude bedeuten muss. Sarah Straub schaffte es, Mut zu machen – und die Gemeinde Denkendorf zeigte einmal mehr, dass sie das Motto „Zusammenhalt“ in der täglichen Praxis ernst nimmt.
Die Bücher von Sarah Straub „Wie meine Großmutter ihr Ich verlor“ und „Lebensmut trotz(t) Demenz“ sind im Buchhandel erhältlich.
Bitte in Kasten setzen:
Beratung & Unterstützung in Denkendorf
Haben Sie Fragen zum Thema Demenz oder suchen Sie Unterstützung für Angehörige? Die Koordinierungsstelle Älterwerden der Gemeinde Denkendorf informiert über die örtlichen Angebote und stellt gerne einen Kontakt zum Pflegestützpunkt und dem Sozialpsychiatrischen Dienst für alte Menschen (SOFA) her,
Kontakt: Koordinierungsstelle Älterwerden, Maria Sommer, Tel. 341680-239, Mail: m.sommer(@)denkendorf.de
Regelmäßige Angebote vor Ort:
- Betreuungsgruppe „Café Begegnung zur guten Stunde“: Wöchentliche Treffen für Menschen mit Demenz (mittwochs, 14:00 – 17:00 Uhr).
- Gesprächsgruppe für Angehörige: „Gestärkt in den Alltag“ – monatlicher Austausch für pflegende Angehörige.





