Kunstprojekt „Ein Herz geht auf Reisen“

„Ein Herz geht auf Reisen“ – unter diesem Leitthema stand am vergangenen Sonntag ein besonderer ökumenischer Gottesdienst vor der Klosterkirche. Bei bestem Sommerwetter und unter schattenspendenden Bäumen versammelten sich mehr als 100 Besucher, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Eine ganz besondere Überraschung hielt der Gottesdienst am Ende für Anne Demuth bereit, die ihr Bürgermeister Ralf Barth persönlich überreichte.
Eingeladen hatten die Evangelische Kirchengemeinde mit Diakon Martin Allmendinger und die Projektgruppe „Demenzfreundliche Kommune“. Der Gottesdienst richtete sich an die gesamte Gemeinde und lud ganz bewusst Menschen mit und ohne Demenz, Angehörige und Freunde dazu ein, gemeinsam zu feiern, zu singen, innezuhalten und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Zahlreiche ältere und jüngere Denkendorfer sowie Bewohner des benachbarten Pflegeheims am Kloster und des Martin-Luther-Hauses waren der Einladung gefolgt. So wurde bereits durch die Zusammensetzung der Gemeinde spürbar, was den Gottesdienst prägen sollte: Gemeinschaft, Begegnung und das Miteinander von Menschen jeden Alters und mit unterschiedlichen Lebensgeschichten.
Gemeinschaftskunstprojekt „Ein Herz geht auf Reisen“
Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das gleichnamige Gemeinschaftskunstprojekt. Was zunächst als einfache Holzplatte begonnen hatte, hatte eine besondere Reise unternommen. Von der Betreuungsgruppe „Café Begegnung zur guten Stunde“ führte der Weg über die Johanniter-Tagespflege und Pflege am Kloster bis ins Martin-Luther-Haus. An jeder Station wurde das große Herz mit bunten Mosaiksteinen und weiteren Materialien gestaltet. Auch erhabene Schneckenhäuser fanden ihren Platz. Die Idee zu derartigen gemeinschaftlichen Kunstprojekten stammt von Anne Demuth, Kunstbegleiterin für Menschen mit und ohne Demenz. Fünf Jahre lang hat sie nun diese Projekte mit viel Herzblut begleitet.
Bei diesen Gemeinschaftsprojekten entsteht immer weit mehr als ein Kunstwerk. Beim gemeinsamen Gestalten des Herzens wurden Erinnerungen wach, Geschichten erzählt und Gespräche geführt. So wurde aus vielen einzelnen Beiträgen ein gemeinsames Werk – und aus dem gemeinsamen Gestalten ein Stück gelebte Gemeinschaft. Maria Sommer von der Koordinierungsstelle Älterwerden erläuterte im Gottesdienst die besondere Wirkung der Kunstprojekte. Sie schenken den Beteiligten Freude und Glücksmomente beim kreativen Tun und vermitteln zugleich das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.
Berührende Predigt zur Botschaft „Der Herr aber sieht das Herz an“
In seiner Predigt verband Diakon Martin Allmendinger die biblische Aussage „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an“ mit dem bekannten Gedanken aus dem „Kleinen Prinzen“: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Er lud dazu ein, den Blick nicht vorschnell auf Äußerlichkeiten wie Kleidung, Geld, Stärke oder Auszeichnungen zu richten, sondern anderen Menschen offen und ohne Vorurteile zu begegnen. Denn was einen Menschen wirklich ausmacht, ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Zugleich erinnerte er daran, dass für Gott nicht Leistung oder äußere Merkmale zählen, sondern der Mensch selbst und die Liebe, die Menschen einander entgegenbringen.
Stärkende Elemente im Gottesdienst: Rituale, Gebete und Musik
Gemeinsame Stärkung erlebten die Gottesdienstbesucher beim Singen bekannter Kirchenlieder und im Gebet. Sehr geschätzt war die musikalische Gestaltung durch den Posaunenchor. Nach dem Schlusssegen erhielten alle Besucher eine Herz-Karte mit einem Bibelvers, der an die Botschaft des Gottesdienstes erinnert. Danach folgten zahlreiche Besucher gerne der Einladung zum Kirchenkaffee im Klosterhof.
Mehr als verdient! Besondere Überraschung zum Schluss für Anne Demuth
Eine besondere Überraschung hatte Bürgermeister Ralf Barth für Anne Demuth vorbereitet. Im Anschluss an den Gottesdienst wurde sie für ihr jahrzehntelanges und außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.
Anne Demuth, die sich selbst lieber im Hintergrund für andere einsetzt, war von der Ehrung sichtlich überrascht. In seiner Ansprache würdigte Bürgermeister Barth ihr vielfältiges Engagement, das bereits kurz nach ihrem Zuzug nach Denkendorf im Jahr 1991 begann. Ob in der Kinder- und Jugendarbeit, im kirchlichen und kulturellen Leben oder später insbesondere in der Begleitung älterer Menschen und von Menschen mit Demenz – Anne Demuth hat sich über Jahrzehnte in vielfältiger Weise für die Gemeinschaft eingesetzt.
Besonders hervorzuheben sind ihr langjähriges Wirken in der Katholischen Nachbarschaftshilfe, ihr Engagement als Gründungsmitglied der Projektgruppe „Demenzfreundliche Kommune“, die zahlreichen Angebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sowie die von ihr initiierten und begleiteten Kunstprojekte. Auch das „Café Begegnung zur guten Stunde“ wurde über viele Jahre von ihr mit großem persönlichen Einsatz gestaltet und begleitet.
Bürgermeister Barth stellte dabei besonders ihre Fähigkeit heraus, mit Ideenreichtum, Kreativität und vor allem mit Menschlichkeit Menschen zusammenzubringen und ihnen Teilhabe zu ermöglichen.
So fügte sich die Überraschung am Ende des Gottesdienstes auf besondere Weise in dessen Botschaft ein. Denn auch die Ehrung von Anne Demuth machte sichtbar, was zuvor im Gottesdienst immer wieder spürbar geworden war: Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen füreinander da sind, einander mit dem Herzen begegnen und bereit sind, etwas von sich selbst zu geben.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen, die diesen besonderen Gottesdienst vorbereitet und gestaltet haben. Und natürlich Anne Demuth, deren großes Engagement auf vielfältige Weise dazu beiträgt, dass in Denkendorf Begegnung, Teilhabe und Gemeinschaft gelebt werden.






