Aktuelles aus der Gemeinde: Denkendorf

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Interview mit Bürgermeister Ralf Barth

Die Gemeinde Denkendorf ist als einzige Kommune von 1.101 Kommunen in Baden-Württemberg in der 4. Ausgabe 2021 der Verwaltungszeitung Baden-Württemberg des Verbands der Verwaltungsbeamten Themen-Schwerpunkt. Neben dem Aufmacher auf der Titelseite und einem Porträt über die Gemeinde gibt es ein Interview mit Bürgermeister Ralf Barth, welches innerhalb der Gemeinde ebenso veröffentlicht werden soll. Es führte Sybille Schwartz, Mitarbeiterin der Gemeinde und seit Jahrzehnten im Verband engagiert:

Bürgermeister Ralf Barth ist jung, einfallsreich, tatkräftig und dynamisch. So habe ich ihn kennengelernt. Seit über drei Jahren ist er Bürgermeister der Gemeinde Denkendorf und damit mein Chef. Für mich war es daher eine besondere Freude und Herausforderung dieses Interview führen zu dürfen. In Denkendorf (Kreis Esslingen) hat Ralf Barth Bürgermeister Peter Jahn nach 32 Jahren Amtszeit abgelöst und damit eine neue Ära der ca. 11.000 Einwohner zählenden Gemeinde einläuten können, die in vielerlei Hinsicht nun „frischen Wind“ bekommen hat. Mit seiner Frau Martina Brosi-Barth, die schon seit einigen Jahren in der Vorstandschaft unseres Berufsverbandes tätig ist, und seinen zwei Kindern hat er inzwischen auch seinen Lebensmittelpunkt nach Denkendorf verlegt.

Ralf Barth hat seine Verwaltungslaufbahn an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg begonnen und startete seine berufliche Karriere als Hauptamtsleiter der Gemeinde Riederich (Kreis Reutlingen). Später wechselte er dann als Hauptamtsleiter nach Dettingen an der Erms, wo er drei Jahre lang tätig war.

In unserem Berufsverband ist er seit Beginn seines Studiums im Frühjahr 2009 Mitglied.

VZ: Herr Barth, Sie sind am 25. Februar 2018 mit fast 79 % der Stimmen zum Bürgermeister der Gemeinde Denkendorf im Landkreis Esslingen gewählt worden. Zuvor waren Sie Hauptamtsleiter der Gemeinde Dettingen an der Erms. Wie fühlen Sie sich in der Position des Bürgermeisters? Wie haben Sie sich am Ort beruflich und privat mit Ihrer jungen Familie eingelebt?

Ralf Barth: Ich fühle mich hier in Denkendorf pudelwohl und bin von den Bürgern, vom Gemeinderat und den Mitarbeitenden der Gemeinde mit offenen Armen empfangen worden.

Auch privat bin ich inzwischen angekommen. Meine Frau und ich wohnen mit unseren beiden Kindern Sophie und Johann seit Juni 2020 auch in Denkendorf und genießen es sehr. Mit dem Fahrrad zur Kita und ins Rathaus fahren zu können und zugleich an sehr vielen Tagen zum gemeinsamen Mittagessen zuhause zu sein ist ein Privileg, das ich sehr schätze.

VZ: Gerade in den vergangenen 16 Monaten war insbesondere durch die Corona-Krise die Verwaltung im Ausnahmezustand. Ständig sind neue Beschlüsse umzusetzen und nehmen einen Großteil der Verwaltungskapazitäten in Anspruch. Wie waren Ihre Eindrücke von den ersten Jahren an der Verwaltungsspitze? Was waren bisher Ihre wichtigsten Projekte?

Ralf Barth: Inzwischen bin ich knapp dreieinhalb Jahre in Denkendorf und betrachte diese Zeit in zwei Abschnitten: Vor Corona und mit bzw. während Corona. Gleich zu Beginn meiner Zeit im Denkendorfer Rathaus konnte ich voll loslegen. Ich habe von meinem Vorgänger Peter Jahn viele Grundlagen übernommen, an die ich nahtlos anknüpfen konnte. Zudem hatten und haben wir eine extrem schlagkräftige Belegschaft. Das ist das Fundament einer erfolgreichen Arbeit.

Sicherlich stand im Frühjahr und Frühsommer letztes Jahr das Krisenmanagement im Vordergrund. Dennoch wurde uns allen schnell klar: Die Projekte müssen weiterlaufen, so wie auch vor der Pandemie. Im Hoch-, Tief- und letztes Jahr auch im Gewässerbau haben wir Aufgaben begonnen. Dazu zählen die Renaturierung eines Teilabschnittes unseres Fließgewässers, der Körsch, oder auch die Kinderbetreuung im Ausbau neuer Betreuungsplätze. Die wichtigsten Themen waren sicherlich der An- und Umbau unserer Ludwig-Uhland-Schule für rund 2,8 Mio. Euro, die Erweiterung des Georg-Weber-Kindergartens um eine weitere Betreuungsgruppe, unser Beteiligungsprozess zur Zukunft des Ehrenamts „#mit.Denkendorf.machen“ oder auch die Nahversorgung im Ort.  Im Wohnungsbau durften wir mit dem geplanten Wohngebiet „Wasserreute“ Erfahrungen sammeln, wie durch einen Kompromiss mit einer Bürgerinitiative ein gültiges Bürgerbegehren abgewendet werden konnte. Und auch das neue Gewerbegebiet „Nördlich Albstraße“ mit rund fünf Hektar Fläche nimmt planerisch langsam Gestalt an.

VZ: Mit viel Tatendrang und neuen Ideen sind Sie nach Denkendorf gekommen. Welche Projekte und Ideen sehen Sie als nächstes auf Ihrer Agenda?

Ralf Barth: Im Bereich Bauen wird es unter anderem weitergehen mit den eben beschriebenen Entwicklungsgebieten „Wasserreute“ für Wohnbau und „Nördlich Albstraße“ für Gewerbe – zwei Projekte, mit denen die Gemeinde Denkendorf erstmals nach über 20 Jahren Weiterentwicklung im Außenbereich verfolgt, nachdem im Innenbereich die Entwicklungsmöglichkeiten faktisch erschöpft sind. Nicht nur hierbei wird der Klimaschutz eine zunehmende Rolle einnehmen, denn eine wichtige Frage ist für uns dabei, wie wir das Ziel der klimaneutralen Gemeinde erreichen können. Impulse erhoffen wir uns hierbei auch durch den Beitritt zum Klimaschutzverein im Landkreis Esslingen e.V.

Im Bereich Kinderbetreuung planen wir ein neues viergruppiges Kinderhaus „Alter Eichwald“ mit Familienzentrum. Dabei wird es jetzt um die Details gehen müssen, so dass im Winter der Bauantrag eingereicht werden kann.

Im gesellschaftlichen Teil ist es mein Ziel, die Kultur, das Vereinsleben, den unbeschwerte Miteinander wieder auf Vor-Krisen-Niveau zu bringen. Wir unterstützen das kommunal mit weiteren Workshops und Teilprojekten in unserem Prozess zur Zukunft des Ehrenamts „#mit.Denkendorf.machen“.

Einen weiteren Schwerpunkt sehe ich im Bereich der digitalen Transformation unserer Verwaltung. Dies ist ein Prozess, der auch bei uns schon längst begonnen hat, bei dem wir aber doch noch an vielen Stellen Entwicklungsmöglichkeiten sehen, wie es auch die Corona-Pandemie deutlich gemacht hat. Diese Herausforderung, gepaart mit Fachkräftemangel auch in der öffentlichen Verwaltung, wird uns auch in Denkendorf noch sehr fordern.

VZ:  Schon kurz nach Ihrem Amtsantritt haben Sie gemeinsam mit dem Gemeinderat für Denkendorf ein neues Logo und ein neues Motto „Wir leben Zusammenhalt“ kreiert. Damit präsentiert sich Denkendorf nicht nur modern, sondern auch als starke Gemeinschaft. In welchen Bereichen zeigt sich das besonders?

Ralf Barth: Von Beginn an war und bin ich beeindruckt vom „Wir-Gefühl“ in Denkendorf. Dies zeigt sich in einer extrem sachorientierten Arbeit im Gemeinderat, einem tollen Miteinander seit mehr als fünf Jahrzehnten in der Arbeitsgemeinschaft der Denkendorfer Vereine und generell einem wunderbaren Zusammenhalt, wenn es ums Feiern, Festen oder auch Bewältigen von Krisen geht. Darauf bin ich sehr stolz und freue mich auch, wie unser neues Motto an vielen Stellen nicht nur ein Slogan ist, sondern ausdrücklich gelebt und mit einbezogen wird.

VZ: Denkendorf ist schon durch einige Projekte und Initiativen im Ländle bekannt. So gibt es z.B. vielerorts die Sprachhilfe nach dem Denkendorfer Modell und auch im Punkte Pflegestützpunkt war Denkendorf ein bundesweit innovativer Vorreiter. Nun gibt es in Denkendorf eine neue Idee. Mit dem Projekt der „Quartiersentwicklung“ möchte die Verwaltung bewusst auf die Bevölkerung zugehen, um das „Älterwerden in Denkendorf gemeinsam zu gestalten“. Die Idee dahinter ist, dass ältere Menschen möglichst lange selbstbestimmt und selbstständig in ihrem gewohnten Umfeld leben können und durch nachbarschaftliche und Bürgernetzwerke Unterstützung in ihren Bedürfnissen erhalten. Wie stellen Sie sich die konkrete Umsetzung des Projektes vor? Was sind die ersten Schritte?

Ralf Barth: Mit unserer Quartiersentwicklung sind wir Teil der Landesstrategie „Quartier 2030 Gemeinsam. Gestalten.“ und kooperieren hierbei mit weiteren Kommunen in unserem Landkreis im Projekt „Quartiersforscher – Gestaltung lokaler Altenhilfelandschaften“.

Seit April sind wir zudem Teil des Kreis-Projektes „Kommunale Quartiersentwicklungsplanung – Älter werden im Quartier“ und werden im Rahmen des Förderprogramms „Quartiersimpulse“ durch die Initiative Allianz für Beteiligung und das Sozialministerium gefördert. Darüber freuen wir uns sehr.

Die Gemeinde Denkendorf hat bereits Anfang der 90er Jahren den ersten Altenhilfeplan aufgestellt. Viele Projekte haben sich seither hieraus entwickelt, auch der Verein Senioren- und Altenhilfe e.V. ist hieraus entstanden.

Konkret in die Quartiersentwicklung gestartet sind wir mit einer großen Sozialraumanalyse, einer Befragung aller Mitbürgerinnen und Mitbürger über 60 Jahre mit Unterstützung des KDA, dem Kuratorium Deutsche Altershilfe. Seine Fortsetzung fand das Projekt während der Corona-Pandemie mit ganz kleinen Teilprojekten wie einer Sitzbankkartierung im gesamten Ort, dem Verschenken von „Gartenglück“ oder verschiedenen Formaten für „Begegnungen im Kleinen“.

Im Sommer haben wir im Rahmen des ersten Bürgerforums nun die Herzensthemen „Auf gute Nachbarschaft“, „Bürger für Bürger“ und „Bürgerplattform Wohnen“ aufgegriffen, an denen unsere Bürgerschaft nun in Kleingruppen unter Beteiligung der Verwaltung aktiv weiterarbeitet.

VZ: Sie selbst haben zwei kleine Kinder. Die Kinderbetreuung liegt Ihnen daher besonders am Herzen. Mit dem Kinderhaus „Alter Eichwald“ soll eine neue viergruppige Kindertagesstätte entstehen und die Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen langfristig gedeckt werden. Dabei sind auch Mehrzweckräume für einen Familientreff vorgesehen. Mit dem Bedarf an Einrichtungsplätzen steigt aber vor allem auch die Nachfrage nach Ganztagesbetreuungsplätzen an den Kindergärten und Schulen. Eltern nutzen ein immer umfassenderes Betreuungsangebot für ihre Kinder. Damit wird die Kinderbetreuung zum Dauerthema. Denken Sie, dass es irgendwann zu einem „Sättigungseffekt“ kommen wird und die flexibel gehaltenen Räumlichkeiten auch für andere Nutzungen geöffnet werden?

Ralf Barth: Tatsächlich steigen die Zahlen der notwendigen Betreuungsplätze nach wie vor an. Hier sehe ich verschiedene Effekte, die hierzu beitragen. Dazu gehört z.B. die Verlegung des Einschulungsstichtags, vermehrte Nachfrage nach Ganztagesbetreuungsplätzen mit reduzierter Gruppengröße, die Nachverdichtung und der Zuzug neuer Familien gerade hier in Denkendorf im Speckgürtel Stuttgart und auf den Fildern. Sicherlich wird aber vor allem im über Dreijährigen-Bereich irgendwann eine Sättigung erreicht sein. Im Gegenzug dazu erleben wir aber in den letzten Jahren eine weiterhin stetige Zunahme der unter Dreijährigen-Plätze, bei denen wir auch angesichts der gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen, dem Fachkräftemangel am Arbeitsmarkt und den flexibleren Möglichkeiten für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf davon ausgehen, dass der Trend anhalten wird. Bei der Planung steht dann vor allem im Vordergrund, zunächst Räumlichkeiten, die bisher von über Dreijährigen genutzt wurden, für die Betreuung von unter Dreijährigen Kindern umzuwandeln.

Nutzungen außerhalb der Betreuung sehe ich für unsere Einrichtungen aktuell nicht, wenngleich die Möglichkeiten zur Umwandlung zum Wohnbau sicherlich an der ein oder anderen Stelle gegeben wären.

VZ: Mit den in letzter Zeit stattgefundenen starken Gewittern und Regenfällen kam es auch an der Körsch zu einem 10-Jahres-Hochwasser. Am Pegel Denkendorf wurde der höchste Wasserstand seit 1982 gemessen – knapp 200 cm über Normal. Gerade mit Blick auf die bundesweiten Katastrophen fragen sich die Einwohner wie gut sich die in den letzten Jahren vorgenommenen Schutzmaßnahmen bewährt haben? Wo sehen Sie weiteren Handlungsbedarf?

RalfBarth: In Denkendorf und der Region wurde bereits vor vielen Jahren erkannt, dass Hochwasserschutz kein Thema einer einzelnen Kommune ist, sondern die Aufgabe einer Raumschaft. Aus diesem gemeinsamen Verständnis heraus ist bereits 2008 der Zweckverband Hochwasserschutz Körsch entstanden. Dies ist ein Zusammenschluss der Gemeinde Denkendorf mit den Städten Stuttgart, Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen und Ostfildern. Die Aufgabe ist dabei gemeinsam ein abgestimmtes Hochwasserschutzkonzept für die gesamte Körsch zu entwickeln. Dieses Vorgehen hat sich bewährt. Auch in Denkendorf als Unterliegerkommune wurden bereits einige Hochwasserschutzmaßnahmen umgesetzt, zuletzt durch eine umfassende Renaturierung auf einem Teilabschnitt, in dem das Flussbett der Körsch durch die Abgabe von etlichen privaten Flächen deutlich vergrößert werden konnte. Auch eine Hochwasserschutzwand und verschiedene Erdwälle sind bereits entstanden. Es stehen aber auch noch einige Projekte wie z.B. der Bau von weiteren Rückhaltebecken aus. Die Genehmigungsverläufe sind hier sehr aufwändig und auch die Fördertöpfe sehr gefragt.

Auch im Starkregenrisikomanagement waren und sind wir unterwegs. Nach leidvollen Erfahrungen im Jahr 2008 durch ein extremes Starkregenereignis haben wir viele Mühen in diesem Bereich unternommen. Die entsprechenden Karten liegen vor und erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. So hoffen wir, dass wir den Schutz in Kombination mit dem geplanten neuen Wohngebiet „Wasserreute“ konkretisieren können.

Zudem arbeiten unsere engagierte Freiwillige Feuerwehr, der Bauhof und die Verwaltung nach den Vorgaben unseres neu erstellten Hochwasseralarm- und Einsatzplans bei Hochwasserereignissen sehr eng und noch strukturierter zusammen. Auch dieser Baustein kommt den Anrainern unserer Körsch und den kleineren Zuläufen bei Schadensereignissen zugute.

VZ: Denkendorf plant eine Verlegung des Bauhofs. Wie weit sind die Planungen und was sind dabei die wichtigsten Planungseckpunkte? Wie weit sind die Überlegungen zur Nutzung des alten Bauhofgeländes?

Ralf Barth: Unser bisheriges Bauhofgelände wurde in den 60er Jahren am Ortsrand angelegt und liegt inzwischen umrundet von Wohn- und Mischgebieten. Nach Verlegung des Bauhofs soll daher am bisherigen Standort ein nachhaltiges Wohnquartier entstehen, bei dessen Planungen wir noch ganz am Anfang stehen. Der erste Entwurf für den neuen Bauhof wurde dagegen bereits im Gemeinderat diskutiert und soll im Herbst der Bürgerschaft vorgestellt werden. Aktuell laufen erste Gespräche mit Fachplanern und weiteren Beteiligten. So soll das neue Salzsilo zugleich ein Übungsturm der Feuerwehr werden. Ziel der Planung ist ein nachhaltiges, funktionales und ästhetisch ansprechendes Gesamtgebäude, welches wir direkt an unserem Ortseingang platzieren möchten. Der neue Bauhof soll so konstruiert und gebaut werden, dass er den Anforderungen, die in den nächsten Jahrzehnten an das System Bauhof gestellt werden, flexibel gerecht werden kann und moderne und sichere Arbeitsplätze bietet.

VZ: Denkendorf ist Mitglied im Kommunalen Arbeitskreis Filder (KAF). Mitgliedskommunen von insgesamt ca. 300.000 Einwohnern setzen sich hier zu gemeinsamen Themen der Filder zusammen, um die Lebensqualität auf den Fildern zu verbessern und die Region auch für Besucherinnen und Besucher attraktiv zu machen. Gemeinschaftlich wurde zum Beispiel die 57 km lange FilderRadRunde entwickelt, die Radler an den schönsten Punkten der Region vorbeiführt. In Denkendorf sind das zum Beispiel das über die Gemeindegrenzen hinaus bekannte historische Kloster und das Naturschutzgebiet „Erlachsee“. Aber auch die Körsch ist einer der intaktesten und damit wertvollsten Bäche und Lebensräume der Region. Die Gemeinde investiert hier viel Geld für Renaturierungsmaßnahmen. Wie werden die hohen Investitionen von Bevölkerung und Gemeinderat gesehen?

Ralf Barth: Mit jeder Investition geben wir Geld für die Verbesserung oder Instandhaltung der Infrastruktur unserer Gemeinde und damit für unser direktes Lebensumfeld aus. Das Denken und Handeln der Denkendorfer Gemeinderäte, seiner Verwaltung und auch der jeweiligen Bürgermeister ist seit jeher geprägt von nachhaltiger Investition und Wirtschaftlichkeit. Diese Haltung wird von den Fraktionen im Gemeinderat wie auch der Bevölkerung sehr geschätzt. Dies bleibt, auch unter meiner Führung, die Handlungsweise der Gemeinde.

Gerade stetige Investitionen in unsere Infrastruktur sind die Grundlage für eine lebenswerte Heimat auch für unsere Folgegenerationen. Gelder für den Radwegeausbau und die Gewässerrenaturierung sind gute Beispiele für in die Zukunft gerichtete Investitionen: Zum einen stärken wir den Umstieg auf nachhaltige Mobilität, wie im Übrigen auch durch unsere im Sommer zugesagte Unterstützung zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie eines Radschnellwegs von Kirchheim nach Stuttgart über Denkendorf. Zum anderen können wir mit Gelder im Gewässerbau gleich mehrere Ziele erreichen, die die Lebenswelt unserer Bürger verbessert: Hochwasserschutz, Naherholung, Erlebbarkeit der Körsch und letztlich die Verbesserung der Ökologie im Wasser selbst.

VZ:  In Denkendorf gibt es ein sehr schönes überregional bekanntes und beliebtes Freibad. Bäder sind für Kommunen immer ein großes Zuschussgeschäft. In der Corona-Krise sind die erlaubten Besucher zum Teil stark reduziert worden. Können Sie schon abschätzen, wie sich das finanziell auf die Gemeindekasse auswirkt?

Ralf Barth: Ich bin sehr froh und dankbar, dass die Entwicklung der Pandemie letztes Jahr wie auch in diesem Jahr überhaupt die Öffnung unseres Freibads ermöglicht hat. Es ist kein Geheimnis: Es war und ist ein großer organisatorischer Kraftakt, die Öffnung umzusetzen und die Hygienevorgaben einzuhalten. Während in einer „normalen“ Saison zwischen 120.000 und 150.000 Badegäste unser Freibad besuchen, waren es letztes Jahr immerhin knapp 60.000 Gäste, in 2021 können wir voraussichtlich ähnlich viele Besucher begrüßen. Dagegen lassen sich auf der Kostenseite leider keine nennenswerten Reduzierungen erreichen. Damit wird das finanzielle Delta mit gut einer halben Million Euro erneut deutlich höher ausfallen als die sonst im Durchschnitt üblichen rund 350.000 Euro. Ich halte es dennoch für wichtig, dass unsere Bürger ihre Infrastruktur nutzen können, wenn auch nur für wenige Sommermonate. Daher nehmen wir den Kraftakt und die Kosten auf uns. 

VZ: Die IBA (Internationale Bauausstellung) wird im Jahr 2027 in der StadtRegion Stuttgart stattfinden. Dabei geht es einerseits um neue Bautechnologien andererseits auch um die Unternehmensanforderungen an Gebäude und Umfeld. Insbesondere soll dabei auch beleuchtet werden, wie digitale Industrie, Wohnen und andere Nutzungen zusammengebracht werden können. Gibt es in Denkendorf auch bereits Überlegungen, sich hier zu engagieren?

Ralf Barth: Die IBA 2027 StadtRegion Stuttgart möchte ganz neue Antworten finden auf die Frage: Wie leben, wohnen, arbeiten wir im digitalen und globalen Zeitalter? Diese Fragen stellen wir uns in Denkendorf auch. Leider haben wir keine passenden Flächen oder Projekte im Ort, um als Gemeinde selbst im IBA-Netz teilzunehmen. Wir freuen uns aber über das interkommunale Engagement im Rahmen des Kommunalen Arbeitskreises Filder, mit dem wir mit dem interkommunalen Projekt „Stadt. Landwirtschaft. Klima.“ hier auf den Fildern die Ambivalenz zwischen der Produktion von heimischen Lebensmitteln auf fast den wertvollsten Böden Deutschlands und dem steigenden Siedlungsdruck durch die dynamische Entwicklung in der Region gerecht werden können. Wir erhoffen uns hieraus neue Impulse, wie dieses Spannungsfeld zum Wohle aller gelöst oder zumindest entspannt werden kann.

VZ: Denkendorf ist gemeinsam mit der Stadt Ostfildern und der Gemeinde Neuhausen auf den Fildern Mitglied im kommunalen Schulverband Ostfilder, dem Schulträger von zwei Gymnasien. Hier wird bereits praktiziert, worüber andere Umlandkommunen noch streiten: Eine gerechte Kostenbeteiligung der umliegenden Kommunen an den Sach- und Investitionskosten der weiterführenden Schulen. Wie hoch sind die Ausgaben für die Gemeinde Denkendorf für die Gymnasien?

RalfBarth: Wir hatten im Schuljahr 2020/2021 133 Kinder aus Denkendorf am Otto-Hahn-Gymnasium und 144 Kinder am Heinrich-Heine-Gymnasium. Beide Schulen haben ihren Sitz in Ostfildern-Nellingen. Diese Zahlen gelten laut Satzung als Verteilungsschlüssel für die entstandenen Betriebs- und Investitionskosten. Von den Betriebskosten in Höhe von 442.410 Euro zahlt Denkendorf damit in diesem Jahr gut 74.000 Euro und bei der Kapitalumlage (Investitionen) in Höhe von aktuell 5.211.050 Euro liegt der Denkendorfer Anteil bei rund 872.700 Euro. Dieser hohe Anteil begründet sich in einer mehrjährigen General- und Brandschutzsanierung mit einem Gesamtvolumen von rund 35 Mio. Euro.

Durch das Konstrukt des Zweckverbands sind wir zwar an den Kosten der beiden Schulen beteiligt, können unseren Schülerinnen und Schülern aber auch diese Form der weiterführenden Schule anbieten und an der Entwicklung der Schulen konkret mitgestalten. Die Beteiligung im kommunalen Schulverband ist für Denkendorf schon lange Tradition und wie in so vielen anderen Bereichen ein guter Ausdruck der interkommunalen Zusammenarbeit auf den Fildern.

VZ: Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen weiterhin ein „frohes Schaffa“ in Denkendorf.