Aktuelles aus der Gemeinde: Denkendorf

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Hochwasserschutz Körsch

Am Freitag, 8. Oktober besuchte Andrea Lindlohr, Landtagsabgeordnete der Grünen im Wahlkreis Esslingen und Staatssekretärin im Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen, Denkendorf. Gemeinsam mit Bürgermeister Ralf Barth, Matthias Göser vom Ortsbauamt sowie dem Vorsitzenden des Zweckverbandes Hochwasserschutz Körsch, Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub, wurden die Hochwasserschutzmaßnahmen in Denkendorf besprochen und besichtigt. Nach den Überflutungskatastrophen im Sommer wurde der Blick auf lokale Schutzmaßnahmen geschärft. Bei dem Vor-Ort-Gespräch wollte Lindlohr erfahren, was in der Gemeinde bereits passiert ist, welche Perspektiven es im weiteren Verlauf gibt und vor allem wie das Land Baden-Württemberg den Prozess unterstützen kann.

Gestartet ist die Besichtigung in der Heinrich-Werner-Straße. Das Gebiet ist Teil des Sanierungsgebiets „Kloster/Körsch“. In Denkendorf bestehen entlang der Körsch hochwasserbedingte Risiken für die Bevölkerung. Um diese Risiken zu minimieren und im Ernstfall gerüstet zu sein, wurden verschiedene Maßnahmen umgesetzt. Im Bereich der Hohenheimer Straße ging es dann weiter, dort wurde 2015 entlang der Straße eine Hochwasserschutzwand sowie ein Wall erstellt. Dabei wurde auf das Thema Starkregen aufmerksam gemacht. Zwar gibt es verschiedene Überflutungsmaßnahmen in Denkendorf, durch die veränderte Klimalage in Deutschland wird aber auch Starkregen zunehmend zu einem Problem. So staut sich bei Starkregen Wasser, das von der steilen Klingenstraße runterläuft an der Mauer. „Wir mussten uns entsprechend der neuen Wetterlagen anpassen, so entstanden auf Basis unserer Starkregenrisikomanagementplanung Mauerdurchlässe mit Rückstauklappen“, berichtete Bürgermeister Barth. „Doch damit ist das Problem nicht überall gelöst, die Gemeinde plant weiterhin Schutzmaßnahmen aufzubauen“, so der Verwaltungschef weiter. In diesem Zusammenhang appellierte er an die Landtagsabgeordnete die Fördermittel entsprechend anzupassen. Die zunehmenden Herausforderungen solche Maßnahmen zu planen und zu verstärken brauche entsprechende Mittel. Da sowohl Gelder zum Hochwasserschutz, Maßnahmen gegen Starkregen sowie Gewässerökologie aus dem gleichen Fördertopf kommen, ist der Ansturm der Gemeinden in Baden-Württemberg entsprechend hoch. Starkregen-Untersuchungen werden dabei zwar priorisiert, die Durchführung der Maßnahmen jedoch nicht. Lindlohr dankte für die Einschätzungen, betonte jedoch auch, dass es bereits eine große Entwicklung im Land gab. So wurde die Finanzierung des Fördertopfes von 33 Millionen auf 51 Millionen Euro erhöht.

Weiter ging es entlang des renaturierten Ufers der Körsch. An dem stark zugewachsenen und in den 1940er Jahren zuletzt begradigten Gewässerverlauf der Körsch wurde eine naturnahe Umgestaltung durchgeführt, wodurch nicht nur der Verlauf geändert, sondern der seither vorhandene Bachweg durch einen schmalen, grasbewachsenen Unterhaltungsstreifen ersetzt wurde. Ein Zurück zum Urzustand mit seinen Mäandern ist leider aufgrund der städtebaulichen Entwicklung im Umfeld der Körsch und dem fehlenden Platzangebot nicht komplett möglich gewesen. Allerdings hat die Körsch Dank der Bereitschaft vieler Anlieger von ihrem Grund einen Teil an den Bach abzutreten mit der Umgestaltung auch mehr Platz bekommen. „Die Mitwirkung der Anlieger, einen Teil ihres Grundstückes abzutreten ist wirklich beeindruckend gewesen. Ohne diese Mitwirkung wäre die Maßnahme nicht umsetzbar gewesen“, betonte Barth dabei.

Doch an den Grenzen der Gemeinde Denkendorf hört der Hochwasserschutz nicht auf. Im Jahr 2008 haben sich daher die Gemeinde Denkendorf und die Städte Stuttgart, Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen und Ostfildern in einem Zweckverband zusammengeschlossen, um gemeinsam ein abgestimmtes Hochwasserschutzkonzept für den gesamten Bereich der besonders überflutungsgefährdeten Körsch zu entwickeln. Insgesamt acht Hochwasserrückhaltebecken an verschiedenen Standorten entlang der Körsch sowie zahlreiche weitere abgestimmte Hochwasserschutzmaßnahmen in den beteiligten Kommunen realisiert der Zweckverband in diesem Rahmen. Auf diese Weise sollen über 29 Millionen Euro investiert werden. Das Land bezuschusst das Maßnahmenpaket mit einer Förderquote von über 60 %. In Denkendorf wurden im Rahmen des Gesamtkonzeptes bereits Maßnahmen wie Dammschüttungen, Wegeanhebungen und Blocksteinsätze in den Bereichen Kläranlage, Textilforschung und im Gewerbegebiet Unteres Körschtal umgesetzt. Der Vorsitzende des Zweckverbands Oberbürgermeister Christoph Traub war ebenfalls bei der Begehung anwesend und betonte erneut die wichtige Zusammenarbeit, die Denkendorf im Zweckverband leistet.

Zum Abschluss wurde ein Ausblick auf weitere Maßnahmen gegeben. Auf Basis einer Machbarkeitsstudie wurde bereits ein zweiter möglicher Umgestaltungsabschnitt der Körsch zwischen Kirchstraße und Neuhäuser Straße untersucht. Hier ging es bereits Mitte 2021 mit einer Anliegerbeteiligung weiter. Im Bereich der Uhlandstraße und Lange Äcker soll durch den Bau von weiteren Mauern und Wällen ein regulierter Abfluss von Oberflächenwasser ermöglicht werden. Außerdem wird derzeit entlang der Kirchstraße eine Mauer errichtet, um die anliegenden Häuser vor Hochwasser zu schützen. Die Baustelle wurde im Rahmen des Vor-Ort-Termins ebenso besichtigt.

Mit Hilfe von Hochwasserkarten wurden den Anwesenden die Gefahrenzonen aufgezeigt. Mit den Hochwassergefahrenkarten werden die Grundlagen für Maßnahmen der Gefahrenabwehr und des Hochwasserschutzes geschaffen. Ob ein spezifisches Grundstück in einem hochwassergefährdeten Bereich liegt, kann aus den Hochwassergefahrenkarten erkannt werden. „Jeder Bürger muss natürlich auch Eigenvorsorge betreiben, die Gemeinde allein kann das nicht absichern“, so der Verwaltungschef mit Blick auf die Hochwasserkarten und verweist auf zum Beispiel die Erhöhung von Lichtschächten.