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Rolf-Deuschle-Heimatmuseum stellt noch bis 12. August im Rathaus aus

Am 5. Juli wurde die Ausstellung „Von der Gebrauchskeramik zur Porzellanminiatur“ des Rolf-Deuschle-Heimatmuseums im Foyer des Rathauses feierlich eröffnet. Die Ausstellung beleuchtet die Geschichte der Firma Reutter Porzellan. Es sind eine Vielzahl an Porzellan-Miniaturen, zum Beispiel zur Kaiserin Sissi zu betrachten.

Feierliche Eröffnung der Ausstellung

Bürgermeister Ralf Barth eröffnete die Ausstellung des Heimatmuseums mit einer Rede und dankte dem Leiter Rolf Deuschle, Richard Butz und dem gesamten Team des Rolf-Deuschle-Heimatmuseums für die Konzipierung und Vorbereitung der Ausstellung. In seinen Dank schloss er die anwesenden Familienmitglieder der Firma Reutter Porzellan ein, die zur Ausstellung beigetragen hat. Rund 50 Gäste waren im Rathausfoyer zur Eröffnung.

Aus der Geschichte von Reutter Miniaturen

www.reutterminiaturen.com

Gründerjahre 1948 – 1954

Martha „Martl" Zimmermann wurde am 19. September 1921 geboren. Während des Krieges arbeitete sie als Lehrerin in Posen. Die Unsicherheit nach dem Krieg eine entsprechende Stellung zu finden war groß. So entschied die damals 24-jährige Martl eine Lehre als Töpferin zu beginnen. Als Abschluss ihrer Ausbildung hatte sie ein besonderes Gesellenstück zu entwerfen.

Ihr Töpfermeister hatte seiner kleinen Tochter zu Weihnachten ein Puppenhaus geschenkt, für das Martl Puppengeschirr in verschiedenen Varianten töpfern sollte, sodass seine Tochter große Freude beim Spielen hatte. Zu dieser Zeit gab es keine Möglichkeit in dieser Größe Spielwaren für Puppenhäuser zu erwerben. Des Weiteren waren auch die Kosten entsprechend hoch. Die Aufgabe erwies sich als sehr schwierig für die junge Martl.

Durch diese besondere Abschlussarbeit zur Gesellin erweiterte sie ihr bisheriges Können und lernte die großen Formen auf eine für Puppenhäuser geeignete Größe zu reduzieren. Aus Begeisterung für die Entwicklung dieser kleinen Teile hat sich ihre Liebe zu Miniaturen entwickelt. Angetrieben von der Leidenschaft und ihrem Talent entschloss sich Martl 1948 einen kleinen Gewerbebetrieb zu gründen, die damalige Reutter Porzellan GmbH, (aus der sich die heutige Reutter Miniaturen GmbH entwickelte) die im selben Jahr als kleine Töpferei in das Handelsregister eingetragen wurde.

Damals hat man ausschließlich Töpferware produziert. Die von Hand gefertigten Waren wurden auf Drehscheiben hergestellt und trugen noch keine Bodenmarke. Erst ab 1954 wurden die produzierten Porzellanwaren durch einen goldenen Stempel des Denkendorfer Klosters und dem Schriftzug „Denkendorf“ gekennzeichnet.

Im Jahr 1948 heiratete Martl Zimmermann den Ingenieur der Feinmechanik Willy Reutter, der 1956 mit in den Betrieb eingetreten ist und dafür seinen damaligen Beruf aufgegeben hat. Aus dem Bereich des Maschinenbaus kommend, entwickelte er eine Methode, mit der kleine Porzellanteile mithilfe einer Hubpresse gepresst werden konnten.

Wirtschaftswunderjahre 1950-1965

Die Firma Reutter war bereits im Jahr 1951 eines der ersten Unternehmen, das auf der entstehenden Fachmesse für Kinderspielzeug, der Spielzeugwarenmesse in Nürnberg ausstellte und dort seine noch kleine Kollektion präsentierte.

Diese fand damals im Wieselerhaus in Nürnberg statt. Selbst hatte man noch keinen eigenen Stand und stellte nur als Untermieter aus. Aus Erzählungen ist bekannt, wie schwierig damals die „Messe“ war. Willy Reutter selbst ist mit dem Zug nach Nürnberg gefahren und hatte nur einen Koffer mit Ware und einen kleinen Tisch im Gepäck. Seine Frau wollte er nach den Kriegsjahren nicht alleine reisen lassen.

Über 60 Jahre hat das Unternehmen Reutter Porzellan auf der Nürnberger Spielwarenmesse ausgestellt. Die Ausstellung war in den Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs so erfolgreich, dass eine größere Produktion von Hand auf der Drehscheibe nicht mehr zu bewerkstelligen war, da dieser bisherige Herstellungsprozess sehr zeitaufwendig war und eine einseitige Arbeit darstellte. Aus diesen Gründen entschlossen sich Martl und Willy Reutter 1954 auf die Porzellanproduktion umzustellen, die einen schnelleren Durchlauf und eine größere Produktionsmenge ermöglichte.

Die Aneignung des Wissens über die Porzellanproduktion und die Beschaffung von Rohmaterialien aus dem bayerischen Wald erforderte sehr viel Mühe und Einsatz. Probleme bereitete vor allem der Standort Baden-Württemberg, da es hierzulande keine andere Porzellanfabrik gab und somit auch keine Unter- und Zulieferanten vorhanden waren. Um dies zu bewerkstelligen, musste sich das Ehepaar sehr viel Wissen autodidaktisch aneignen. Infolgedessen musste die gesamte Fertigung in allen Bereichen autark ablaufen.

Die Rohmaterialien waren in der Beschaffung sehr teuer. Bedingt durch diesen Kostenfaktor erhöhte man die Produktion der Miniaturen, da man hiervon mengenmäßig mehr produzieren konnte als von größeren Geschenkartikeln.

Filigran, edel, einzigartig – mit diesen Attributen beschreiben Kenner und Liebhaber die Miniaturprodukte aus der Reutter Miniaturen GmbH. Seit über 70 Jahren stellt der Betrieb die Miniaturen, verschiedenste Miniaturmöbel und Wandbilder in Form von Szenen und mehr her. Der Familienbetrieb ist in diesem Jahr in neue Büro- und Produktionsflächen nach Ostfildern gezogen.

Die ganze Geschichte findet sich unter: www.reutterminiaturen.com

Die Ausstellung ist noch bis zum 12. August 2022 im Foyer des Rathauses zu den Rathaus-Öffnungszeiten zu sehen.